ProRail zeigt wenig Interesse für Güterverkehr

Nach den jüngsten Ausfällen beim Schienenzugang zum Rotterdamer Hafen zwischen dem 28. und 30. Dezember und exorbitanten Erhöhungen der Infrastrukturentgelte für 2023 klagt der niederländische Verband für den Schienengüterverkehr RailGood an, dass der niederländische Infrastrukturbetreiber ProRail den Sektor nachlässig behandelt. Die Eisenbahnen im Rotterdamer Hafen zum Beispiel würden weitgehend nur auf Sicherheitsniveau statt auf höheren Standards gehalten. So wurde der Verkehr auf dem Güterbahnhof Botlek am 28.12.2022 wegen einer undichten Feuerlöschwasserleitung, die Überschwemmungen verursachte, eingestellt, und mangels Zugang zum Hafen waren der Europoort und die Maasvlakte nicht mit dem Zug erreichbar.

Zwei Tage später überprüfte man daraufhin offenbar weitere Feuerlöschanlagen, und ProRail teilte mit, dass jene im Rangierbahnhof Pernis von den zuständigen Behörden nicht genehmigt worden sei und auf den Gleisen daher keine Transportaktivitäten, für die eine Umweltgenehmigung erforderlich ist, stattfinden könnten, bis das System die Anforderungen erfüllt. Da die Mehrheit der Fracht in Pernis Gefahrgut ausmacht, insbesondere für die petrochemische Industrie, hatte dies erhebliche Auswirkungen, da Gefahrgutwagen, die nicht behandelt werden, nicht länger als vier Stunden in Pernis bleiben dürfen. Die Folge war ein Anstieg des Verkehrsaufkommens auf den Bahnhöfen Kijfhoek und Botlek, die bereits intensiv ausgelastet sind.

Andererseits gab es eine Erhöhung der Infrastrukturgebühren für die Abstell- und Rangiergleise von ProRail zwischen 50 und 660 %. Dieser Anstieg steht im Zusammenhang mit der neuen Methodik von ProRail zur Berechnung der Wegeentgelte für den Schienenverkehr, da ab 2023 seine integralen Kosten anstelle der direkten Kosten berechnet werden, was zu einer Erhöhung der Tarife führt. Die Europäische Kommission gab zwar die Erlaubnis, das Problem mit einer bis 2026 geltenden Subvention zu lindern, die den Unternehmen 25 % ihrer Abstellgleis- und Rangierkosten erstatten würde, doch selbst mit dieser Beihilfe steigen die Preise zwischen 15 und 450 %.

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